8 Gründe dafür, warum das Römische Reich gefallen ist

Nachdem das weströmische Reich annähernd 500 Jahre als größte Supermacht der Welt bestanden hatte, ist es im späten 5. Jahrhundert zerfallen. Geschichtsgelehrte haben unzählige Gründe aufgeführt, wie es hierzu kommen konnte. Dem halten andere entgegen, dass das römische Reich doch noch weitere fast 1000 Jahre Bestand hatte – nämlich als Oströmisches Reich, als Byzanz. Die Frage wann und wie und warum das römische Reich sein Ende fand, ist immer noch Thema aufgeregter Debatten. Nachfolgend sind die 8 wahrscheinlichsten Gründe aufgelistet, warum das römische Reich zerfiel.

1. Auf Sklavenarbeit basierende WirtschaftBereits durch ständige Angriffe von außen bedroht, wurde Rom gleichzeitig durch eine schwere Finanzkrise erschüttert. Fortgesetzte Kriege und hohe Ausgaben haben die Schatzkammer des Reiches geleert. Die drückende Steuerlast und die Inflation haben die Schere zwischen Arm und Reich auseinander klaffen lassen. Zur gleichen Zeit herrschte ein Mangel an Arbeitern. Die Wirtschaft Roms war von Sklaven abhängig. Zudem wurde durch die militärische Macht ein ständiger Zustrom unterworfener Menschen zur Arbeit gezwungen. Als jedoch die Ausdehnung des Reiches zum Stillstand kam, versiegte der Zustrom von Sklaven und anderen Kriegsbeuten. Ein weiterer Rückschlag kam, als die Vandalen Nordafrika beanspruchten und anfingen, den Handel des Reiches zu unterbinden, indem sie als Piraten im Mittelmeer ihr Unwesen trieben.

2. Überfälle durch Barbarenstämme

Rom war über Jahrhunderte hinweg in Scharmützel mit Germanenstämmen verwickelt gewesen, aber bis zum 3. Jahrhundert haben Barbarische Stämme wie die Goten die Grenzen nur von außen bedroht. Die Römer hielten dem Aufbegehren der Germanen bis ins späte 4. Jahrhundert stand, aber 410 plünderte der westgotische König Alerich die Stadt Rom. In den folgenden Jahrzehnten sah sich das Imperium ständiger Gefahr ausgesetzt, ehe die ewige Stadt im Jahr 455 erneut überfallen wurde – diesmal von den Vandalen. Unter Odoacer, wurde eine Revolte angezettelt, die zur Absetzung des Imperators Romulus Augustulus führte. Von da an hat kein Römischer Imperator mehr die ursprüngliche Macht und so erhielt das weströmische Reich im Jahre 476 den Todesstoß.

3. Zu weite Ausdehnung des Reiches gepaart mit überhöhten Militärausgaben

Zu seiner Hochzeit erstreckte sich das Römische Imperium vom Atlantischen Ozean bis hinab zum Fluss Euphrat im mittleren Osten. Doch genau diese Größe war gleichzeitig auch der Verderb. Ein solch weites Territorium zu beherrschen glich einem logistischen und administrativen Himmelfahrtskommando. Obschon es ein ausgezeichnetes Strassensystem gab, waren die Römer nicht in der Lage Nachrichten schnell weiterzuleiten oder ihre Besitztümer zu verwalten. Es gab viel zu viele Grenzen zu sichern. Aus diesem Grunde wurde im zweiten Jahrhundert z.B. der Hadrianswall errichtet. Da also mehr und mehr an Geldern in das Militär floß, erlahmte die technische Entwicklung und die zivile Infrastruktur verfiel.

4. Die Christianisierung und damit verbundener Verfall der traditionellen Werte 

Der Niedergang Roms fand zeitgleich mit der Verbreitung des Christentums statt. Viele sagen, dass dieser neue Glaube diesen Niedergang begünstigt hat. Mit dem Edikt von Mailand im Jahr 313 wurde das Christentum legal, bereits im Jahre 380 gar Staatsreligion. Dies wird auch das traditionelle römische Wertesystem nachhaltig verändert haben. Die alten Götter wurden durch einen einzigen Gott ersetzt und auch der Imperator selbst verlor seinen gottgleichen Status. Der Papst und andere hohe Geistliche griffen maßgeblich ins politische Geschehen ein. Dies bezweifeln jedoch nicht wenige Experten. Die Verbreitung des Christentums sei bei weitem nicht so ausschlaggebend gewesen wie militärische oder wirtschaftliche Gesichtspunkte.

5. Aufteilung in West und Ost

Im dritten Jahrhundert teilte Diocletian das Reich in zwei Hälften auf – das westliche Reich mit Sitz in Mailand, das östliche Reich in Byzanz, dem späteren Konstantinopel. Die Teilung machte das Reich kurzfristig leichter regierbar, aber über die Zeit drifteten beide Hälften immer mehr auseinander. Anstatt gemeinsam gegen Feinde von außen vorzugehen stritt man oft über Ressourcen und militärische Hilfe. Als sich die Kluft immer mehr auftat, erblühte der überwiegend griechisch-sprachige Osten im Wohlstand, während der lateinische Westen in immer schlimmere wirtschaftliche Krisen geriet. Weil der starke Osten barbarischen Invasoren zu stark war, fielen diese lieber im Westen ein. Imperatoren wie Konstantin sorgten dafür, dass Konstantinopel gesichert und gut bewacht war aber Italien und die Stadt Rom – die ohnehin nur noch symbolischen Wert für den Osten hatte – blieben schutzlos zurück. Die politische Struktur des Westens zerfiel schließlich im 5. Jahrhundert, während das östliche Reich in der einen oder anderen Form für weitere 1000 Jahre Bestand hatte, ehe es durch das Ottomanische Reich im 14. Jahrhundert überwältigt wurde.

6. Hunnen Einfall 

Als die Hunnen im späten 4. Jahrhundert Europa überfielen, führte dies zur Flucht der ansäßigen Barbarenstämme und dies wiederum zu Attacken auf das römische Reich. Die Hunnen zogen marodierend durch Nordeuropa und trieben viele Germanenstämme an die Grenzen des römischen Imperiums. Die Römer ließen die Westgoten zwar auf ihr Gebiet, behandelten sie aber grausam. Glaubt man dem Historiker Ammianus Marcellinus, so zwang man die hungernden Gothen, ihre Kinder in die Sklaverei einzutauschen gegen Hundefutter. Mit dieser Behandlung schufen die Römer einen gefährlichen Feind auf eigenem Gebiet. Als es ihnen zu viel wurde, begehrten die Gothen auf. Während der Schlacht von Adrianopel im Jahre 378 wurde eine komplette römische Armee vernichtet und der östliche Kaiser Valens wurde getötet. Dadurch schockiert handelten die Römer einen wackeligen Frieden mit den Barbaren aus, doch der Waffenstillstand zerbrach als der Gotenkönig Alerich gen Westen zog und Rom plünderte. Das dermaßen geschwächte weströmische Reich konnte nicht mehr verhindern, dass germanische Stämme wie die Vandalen und die Sachsen ihre Grenzen überrannten und Britannien, Spanien und Nordafrika einnahmen.

7. Korrupte Regierung und politische Instabilität

Die reine Größe Roms machte das Regieren schwierig. Die wenig effektiven und ungeplanten Entscheidungen der Staatsführung verschlimmerte die Lage zusätzlich. Als römischer Imperator lebte man zeitweise sehr gefährlich, doch während der chaotischen 2. und 3. Jahrhunderte entsprach dies quasi einem Todesurteil. Bürgerkrieg stürzte das Imperium ins Chaos und mehr als 20 Herrscher saßen in der nur 75 Jahre dauernden Epoche auf dem Thron – gewöhnlich, nachdem sie ihren Vorgänger ermordet hatten. Die Prätorianergarde – die persönliche Leibwache des Imperators – verübten Anschläge und installierten neue Staatsführer nach Gutdünken oder sie verschacherften den Posten an den Höchstbietenden. Das politische Siechtum weitete sich auch auf den römischen Senat aus. Er schaffte es nicht, die Exzesse der Imperatoren einzudämmen, da er selbst tief im Sumpf der Korruption und Inkompetenz versunken war. Je schlimmer die Lage wurde, desto mehr nahm der Bürgerstolz ab und die Römer verloren das Vertrauen in ihre Regierung.

8. Die Schwächung der römischen Legionen

Die meiste Zeit ihres Bestehens war das Militär das Prunkstück Roms. Dies änderte sich jedoch zum Ende hin. Nicht mehr in der Lage neue Truppen aus der römischen Bevölkerung zu erheben, füllten Kaiser wie Diocletian und Konstantin die Heere mit geldgierigen Söldnern auf. Dadurch wuchs die Mehrzahl der germanischen oder gothischen Söldner, so dass man die Soldaten Barbaren nannte. Die Loyalität der Armee zum Imperium nahm ab, auch weil machthungrige Offiziere die eigenen Bürger schlecht behandelten. Hinzu kommt, viele in Rom ausgebildete Soldaten auf der Gegenseite gegen Rom kämpften.

3 Comments

  1. Interessante Liste! Womöglich würde es das römische Reich heute immer noch geben, wenn die nicht so gierig gewesen wären. Naja, die Frage ob man das gewollt hätte?

    1. Hallo Alina. Es ist echt ein gigantisches Imperium gewesen, kein Wunder dass es irgendwann zerfallen musste. Wir denken, dass das römische Reich sicherlich eines der besseren war.

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